Der Umbau eines Ford Transit Custom zum Camper beginnt fast immer im Fahrerhaus. Die Beifahrer-Doppelsitzbank wird gegen einen Einzelsitz auf einer Drehkonsole getauscht, und die Kabine wird Teil des Wohnraums. Ein gebrauchter Ford Transit Beifahrersitz senkt die Kosten dafür deutlich. Wichtig sind außerdem eine passende Konsole, die Airbag-Ausstattung und die spätere Abnahme durch eine Prüforganisation.
Warum ist der Transit Custom als Camper-Basis so gefragt?
Im Transit Custom haben Bett, Küche und Stauraum Platz, und trotzdem passt er in normale Parklücken und Tiefgaragen mit Standardhöhe. Ford baut das Modell seit 2012. Die erste Generation lief bis Mitte 2023, seitdem ist die zweite Generation mit dem internen Code V710 auf dem Markt.
Für Selbstausbauer ist vor allem die erste Generation interessant. Viele gebrauchte Kastenwagen stammen aus Handwerksbetrieben und Firmenflotten und sind entsprechend günstig zu haben. Je nach Budget und Körpergröße wählen Käufer die kurze Version L1 mit Normaldach oder die lange L2 mit Hochdach. Der von Westfalia ausgebaute Ford Nugget zeigt, wie viel Wohnraum in dieses Format passt.
Wer noch nach der passenden Basis sucht, findet Maße, Verbrauch und Pannenstatistik in den technischen Daten des Transit Custom. Vor dem Kauf lohnt außerdem ein Blick auf die Sitzausstattung vorne, denn sie entscheidet über den Aufwand im Fahrerhaus.
Doppelsitzbank oder Einzelsitz: Was passt auf die Drehkonsole?
Für einen drehbaren Beifahrersitz braucht der Transit Custom zwei Einzelsitze. Anbieter von Drehkonsolen mit TÜV-Gutachten schließen die Montage auf einer Beifahrer-Doppelsitzbank ausdrücklich aus. Die Konsole wird direkt auf die vorhandene Sitzkonsole geschraubt und hebt den Sitz um etwa 2,5 Zentimeter an.
Für die Doppelbank gibt es vereinzelt Drehkonsolen aus Großbritannien. Ob ein deutscher Prüfer sie einträgt, ist offen. In Selbstausbauer-Foren berichten Besitzer von ungeklärten Fällen und von Prüfern, die wegen der Gurtführung skeptisch waren. Der verlässliche Weg bleibt der Tausch gegen einen originalen Einzelsitz. Eine neue Drehkonsole für die Beifahrerseite kostet rund 300 Euro.
Worauf sollte man beim gebrauchten Beifahrersitz achten?
Der Sitz muss zur Generation und zur Ausstattung des Fahrzeugs passen. Befestigungspunkte und Konsolen der ersten Generation unterscheiden sich vom V710, der ab Herbst 2023 ausgeliefert wurde. Deshalb gehört das Baujahr bei jeder Suche und jeder Anfrage an erste Stelle.
Mindestens genauso wichtig ist die Elektrik. Manche Gurtschlösser haben eine Sitzbelegungserkennung, manche Sitze einen Seitenairbag oder eine Sitzheizung. Erwartet das Fahrzeug einen Stecker, den der Ersatzsitz nicht hat, leuchtet häufig die Airbag-Kontrollleuchte, und bei der Hauptuntersuchung gibt es Ärger. Der Beifahrerairbag im Armaturenbrett bleibt vom Sitztausch dagegen unberührt.
Beim Preis zeigt sich die Nachfrage der Camper-Szene. Privat werden originale Einzelsitze oft für 700 Euro und mehr angeboten, weil viele Ausbauer gleichzeitig suchen. Online-Plattformen für Gebrauchtteile bieten mehr Auswahl und lassen sich nach Modell, Baujahr und Seite filtern. Wer ohnehin am Innenraum arbeitet, findet einen Überblick über typische Probleme im Innenraum älterer Autos, die man selbst reparieren kann.
Lohnt sich auch eine Drehkonsole für den Fahrersitz?
Für viele Grundrisse ja, denn erst zwei gedrehte Sitze ergeben eine Sitzgruppe, an der vier Personen am Tisch Platz finden. Für den Transit Custom gibt es Drehkonsolen mit Gutachten für beide Seiten, auch für die zweite Generation ab Oktober 2023. Vor dem Kauf sollte man im Fahrzeug nachmessen, ob sich der Sitz mit Konsole ohne Kontakt zu Lenkrad und Türverkleidung drehen lässt.
Wer nur einen Sitz drehen will, beginnt meist auf der Beifahrerseite. Dort steht der Tausch der Doppelbank ohnehin an, und der Fahrersitz bleibt in seiner gewohnten Position für den Alltag.
Was verlangt der TÜV für die Zulassung als Wohnmobil?
Damit ein Kastenwagen als Sonder-Kfz Wohnmobil gilt, braucht er eine feste Mindestausstattung. Dazu gehören eine Sitzgruppe mit Tisch, ein Schlafplatz, der auch aus den Sitzen entstehen darf, eine fest eingebaute Kochmöglichkeit und Stauraum. Für jeden Sitzplatz müssen zwei voneinander unabhängige Fluchtwege auf verschiedenen Fahrzeugseiten vorhanden sein. Fest eingebaute Schränke müssen verriegelbar sein, damit sie sich während der Fahrt nicht öffnen und bei einem Unfall nichts durch den Innenraum fliegt. Beim Kocher gibt es eine Ausnahme: Er darf fest mit dem Fahrzeug verbunden sein und zum Kochen nach draußen gezogen werden. Die Details fasst das Merkblatt zur Wohnmobil-Begutachtung zusammen.
Die Abnahme ist eine Einzelbegutachtung nach § 19 Abs. 2 in Verbindung mit § 21 StVZO. Sie übernehmen TÜV und Dekra, seit 2019 auch GTÜ und KÜS. Zusätzlich ist eine Hauptuntersuchung fällig, und das neue Leergewicht wird mit vollem Tank und einer Person im Fahrzeug ermittelt. Mit dem Gutachten geht es zur Zulassungsstelle, danach schickt der Zoll den neuen Kfz-Steuerbescheid. Ob die Steuer steigt oder sinkt, hängt vom bisherigen Status ab, denn Pkw, Lkw und Wohnmobil werden unterschiedlich berechnet. Nicht jede Prüfstelle hat eine eigene Fahrzeugwaage, gegen Gebühr wiegen auch viele Schrottplätze.
Der gedrehte Beifahrersitz spielt dabei eine direkte Rolle. Er bildet mit dem Tisch oft die Sitzgruppe, die der Prüfer sehen will. Ohne Gutachten für die Drehkonsole wird der Umbau an dieser Stelle nicht abgenommen.
In welcher Reihenfolge plant man den Umbau vorne?
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme, am besten mit Fahrzeugschein und Taschenlampe unter dem Sitz. Hat das Fahrzeug eine Doppelbank oder bereits einen Einzelsitz, gibt es Seitenairbags oder eine Belegungserkennung, und welches Baujahr steht im Fahrzeugschein? Diese drei Angaben bestimmen, welcher Sitz und welche Konsole passen.
Wer den Sitz online kauft, sollte sich Fotos vom Stecker unter dem Sitz und vom Gurtschloss schicken lassen. So lässt sich vor der Bestellung prüfen, ob Belegungserkennung und Seitenairbag zum eigenen Fahrzeug passen.
Danach folgen Sitz, Konsole mit Gutachten und der Einbau. Alle Unterlagen gehören in einen Ordner, der später mit zur Abnahme geht. Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet den teuersten Fehler beim Selbstausbau, nämlich einen fertigen Innenraum, den der Prüfer nicht einträgt.
Welche Lösung habt ihr in eurem Transit Custom gewählt: Einzelsitz mit Drehkonsole oder die originale Doppelbank?
